In Zeiten von Vogelsand-Gras und wieder stärker werdender staatlicher Repression sind viele Konsumenten zunehmend verunsichert, was die Qualität ihrer erworbenen Waren angeht. Im folgenden Artikel will ich nun vorstellen, welche Methoden des Streckens und Verschneidens verbreitet sind und welche Risiken für die Gesundheit des Konsumenten dadurch entstehen.
Grundsätzlich wird man keine 100%ig reinen Drogen erwerben können. Das liegt zum einen daran, dass natürliche Drogen immer nur einen kleinen Teil ihrer Masse als Wirkstoff enthalten, der Rest ist Biomasse. Zum anderen können chemische Drogen zwar in reiner Form gewonnen werden, werden aber aus Gründen der Handhab-, Dosier- und Verarbeitbarkeit meist nicht so verwendet. Gerade reine Wirkstoffbasen können flüssig sein und müssen daher von einem Trägermaterial aufgenommen werden.
Jedoch strecken viele Dealer ihre Drogen wesentlich stärker als tolerierbar, um ihren Gewinn zu erhöhen. Meistens handelt es sich dabei um eher harmlose und inaktive Stoffe, mitunter werden jedoch auch psychoaktive und sogar stark toxische Substanzen zum Strecken verwendet, und genau hier liegt die größte Gefahr. Während ein geringer Gehalt höchstens dem Geldbeutel und Gemütsbefinden der Käufer schaden dürfte, können wirksame Substanzen sehr gefährlich sein. Zum Beispiel, weil sie an sich schon toxisch oder psychoaktiv sind und der Konsument somit eine Drogen genommen hat, die er gar nicht wollte und auf die er womöglich überhaupt nicht vorbereitet ist. Dies spielt natürlich besonders im Bereich der Partydrogen eine Rolle.
Man unterscheidet hier zwischen „Strecken“ und „Verschneiden“. Verschneiden bedeutet, dass der eigentliche Wirkstoff durch andere, billigere, aber ähnlich wirkende Substanzen teilweise oder ganz ersetzt wird. Beim Strecken hingegen werden nur wirkungslose Stoffe untergemischt, um ein höheres Gewicht zu erreichen. Amphetamin wird z. B. gerne mit Methamphetamin verschnitten, welches stärker wirksam ist und bei geringerem Gehalt denselben Effekt erzielt.
Psychische Folgen
Zu den psychischen Folgen zählt ganz klar ein sehr hohes Risiko, einen Horrortrip zu erleben, weil man mit der unwissentlich eingenommenen Substanz nicht klar kommt und dadurch auch eine hohe Psychosegefahr, falls das Erlebte nicht verarbeitet werden kann. Ein „bad trip“ kann auch vorkommen, wenn ein zweiter Wirkstoff enthalten ist, der mit dem eigentlichen Wirkstoff interagiert bzw. überhaupt, wenn mehrere wirksame Substanzen enthalten sind. Mischkonsum kann sich sehr stark auf einen psychedelischen Trip auswirken (Candyflip, Ethnoflip), in den meisten Fällen dürfte das Trip-Erleben durch Zusätze wie Amphetamin, Methamphetamin, Coffein und Ephedrin wohl aber nur geschmälert und dafür die körperlichen Nebenwirkungen verstärkt werden.
Physische Folgen
Wesentlich vielfältiger fallen die körperlichen Folgen aus: Das Rauchen von Streckmitteln dürfte immer ungesund sein, weil dadurch der Körper belastet wird, ohne dass ein Effekt auftritt. Zudem ist es möglich, dass aus den Streckmitteln beim Rauchen krebserregende Stoffe entstehen. Eine häufige Reaktion auf chemische Substanzen und viele Medikamente sind Hautausschläge („Arzneimittel-Akne“), die nicht durch die Streckmittel hervorgerufen werden. Wenn Drogen jedoch mit anderen Wirkstoffen verschnitten werden, ist dieser Effekt natürlich umso ausgeprägter.
Da nicht auszuschließen ist, dass Streckmittel ätzend sind, kann die Schädigung der Nasenschleimhaut noch heftiger ausfallen, als es ohnehin schon beim Schnupfen von Amphetamin, Kokain und Co. der Fall ist. Selbiges gilt natürlich analog für die Magen- und Darmschleimhaut beim oralen Konsum dieser Substanzen.
Weiterhin können die Verschnittstoffe ja schon an sich toxisch sein (Atropin, Chloramphenicol, Chemikalien) oder toxisch werden, wenn sie in großer Menge eingenommen werden (PMA). Wenn die Qualität der Droge minderwertig ist, wird der Konsument ja sowieso mehr davon einnehmen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen, wobei das Risiko, sich mit Verschnittstoffen zu vergiften, natürlich weiter ansteigt.
Der Mischkonsum von mehreren Substanzen ist ja meist schon an sieh nicht günstig. In speziellen Fällen können die Substanzen miteinander interagieren und gegenseitig die Abbauwege blockieren (MAO Hemmer). Genauso können Substanzen, die an sich keine psychoaktive Wirkung haben, natürlich auch die wirksamen Stoffe verstärken oder mindern. Zum Beispiel indem die Resorption in Magen und Darm
verstärkt oder gehemmt wird.
In diesem Zusammenhang ist auch die Substanz MPTP (Methylphenyltetrahydropyridin) interessant. Sie entsteht als Verunreinigung bei unsauberer Synthese von synthetischen Opioiden. welche oft als Heroin verkauft werden und führt zur Zerstörung dopaminerger Zellen im Gehirn (Substanzia nigra). Als Folge davon bilden die Betroffenen irreversible typische Symptome der parkinsonschen Krankheit aus.
Spezielle Drogen
Bei natürlichen Drogen sollte man immer im Hinterkopf haben, dass es verschiedene Chemotypen gibt, die sich in ihrer Wirkung erheblich unterscheiden können. Dass es unterschiedlich wirkende Sorten bei Cannabis gibt, ist ja nun landläufig bekannt. Kaum jemand weiß aber, dass es z.B. bei Kokain und Opium ähnlich ist. Wenn das Gras oder Koks also mal nicht den gewohnten Effekt vermittelt, muss es nicht unbedingt minderwertig sein.
Die folgenden Angaben beziehen sich nur auf die Gehalte der durch die Polizei beschlagnahmten und analysierten Drogen. Da relativ häufig große Mengen von hoher Qualität gefunden werden, bevor sie auf den Markt kommen, dürfte der reale Gehalt „auf der Straße“ noch geringer sein. Die Liste der angegebenen Streckmittel ist natürlich nicht vollständig, handelt aber alle gängigen und auch seltener auftauchenden Substanzen ab.
Cannabis
Der mittlere Wirkstoffgehalt von Gras lag 1996-2000 noch bei 4-5 % und stieg dann in den Jahren 2001-2004 auf 8-10 % an. Bei Haschisch hingegen lag er stabil zwischen 4-8 % im gesamten Zeitraum.
Die Erhöhung des Gewichts durch Anfeuchten birgt keine gesundheitlichen Risiken in sich. Einigen reicht dies aber noch nicht, um ihre Gier zu befriedigen und sie setzen Mehl, Zucker, Sand, Glassplitter oder Plastikkrümel und dergleichen zu, um eine dicke, glitzernde Harzschicht vorzutäuschen. Um den halt zu verbessern, wird gelegentlich mit Haarspray oder Lack nachgeholfen. Inzwischen gibt es sogar ein kommerzielles Produkt namens „Brix“, welches ausschließlich zum Strecken von Gras gedacht ist und das Gewicht um bis zu 40% erhöhen kann. Was dabei herauskommt, ist definitiv gesundheitsschädlich. Pestizide (Insektizide, Herbizide, Fungizide, Antibiotika) werden gerne in der Massenproduktion eingesetzt, um Ernteausfälle durch Schädlingsbefall zu minimieren. Die eingesetzten Mittel bleiben dabei teilweise in der Pflanze zurück und sind an sich schon oft gesundheitsschädlich. Ein Umstand, der sich durch das Verbrennen sicher nicht verbessert. Trotz des massiven Einsatzes der chemischen Keule treten Schimmelpilze und Bakterien dennoch in der Massenproduktion auf. Anlagen, die rein auf den Ertrag optimiert sind, bieten oft einen idealen Nährboden für sie und der rein auf Gewinn bedachte Grower wird derart befallene Buds höchstens minimal aussortieren. Bei diesen beiden Punkten handelt es sich zwar nicht direkt um Strecken, aber es sind weitere fragwürdige Methoden, um den Ernteertrag und damit den Profit auf Kosten des Konsumenten zu erhöhen.
Ebenso beliebt ist es, andere Pflanzen zum Strecken zu verwenden, die zumindest ähnlich wie Gras aus sehen oder riechen. Meist handelt es sieh dabei um Kräuter und Gewürze, die allerdings selbst Wirkstoffe enthalten können, welche beim Inhalieren gesundheitsschädlich bis krebserregend wirken.
In letzter Zeit ist häufig mit Vogelsand (Kalksand) gestrecktes Gras aufgetaucht. Das dabei vieldiskutierte Risiko einer Silikose halte ich für äußerst gering, auch wenn das Einatmen der Gesundheit sicher nicht förderlich ist.
Dafür sind gerade aktuell Fälle von Bleivergiftungen durch mit Blei-Salzen gestrecktes Gras aufgetreten. Nachdem vorhergehende Warnungen des Deutschen Hanfverbandes (DHV) von der Bundesdrogenbeauftragten konsequent ignoriert wurden, war es wohl unvermeidlich, dass im November erste Vergiftungen in Leipzig bekannt wurden. Bleivergiftungen sind besonders tückisch, da sie sich erst nach längerer Zufuhr und durch unspezifische Symptome (Schwäche, Kopfschmerzen, Verstopfung, Blässe, psychische Störungen uvm.) zeigen und fast immer mit einer Verzögerung von vielen Wochen auftreten. Dann dauert es unter Umständen Jahre, bis alles Blei aus dem Körper wieder ausgeschieden wurde. Potentielle allergische Reaktionen können allerdings sofort auftreten. Die genannten Probleme treffen natürlich auch auf Haschisch zu, wobei hier die Möglichkeiten zum Strecken noch vielfältiger sind. Meist wird das Hasch schon in den Produktionsländern mit (Cannabis-) Pflanzenteilen gestreckt, uni verschiedene Qualitätsstufen zu erreichen. Diese Produkte werden zum Teil in den Konsumländern aufgebröselt, mit mannigfaltigen Streckmitteln versetzt und dann wieder gepresst. Hier kommen auch häufig Pflanzenteile – allerdings von allen möglichen Gewächsen – zum Einsatz. Daneben werden Sand, Zucker, Henna (Färbemittel) und andere Pulver zur Erhöhung des Gewichtes zugesetzt sowie Öle, Fette und Wachse, um die Konsistenz zu erhalten bzw. zu modifizieren. Bei ganz schlechtem Zeug findet sich auch schon mal Schuhcreme, Gummi und alles, was die Fantasie sonst noch bereitstellt.
Ebenso beliebt, und wahrscheinlich noch einfacher, ist das Strecken von chemischen Drogen. Die Meisten kennen sie sowieso nur als weiße Pulver, die entweder in der Nase brennen oder sie taub machen. Natürlich ist hier der finanzielle Anreiz wesentlich höher als bei Cannabis-Produkten.
Hier sind die durchschnittliehen Wirkstoffgehalte sowie die häufigsten Verschnittstoffe aufgelistet:
Amphetamin
Der mittlere Wirkstoffgehalt lag zwischen 3-10 % in den Jahren 1996-2004. Häufige Verschnittstoffe waren Coffein, Ephedrin, Methamphetamin und Paracetamol.
Kokain
Hier betrug der mittlere Wirkstoffgehalt zwischen 40-50 % in den Jahren 1996-2000 und zwischen 30-40% in den Jahren 2001-2004. Als häufige Verschnittstoffe wurden Coffein, Amphetamin. Methamphetamin, Phenacetin, Paracetamol. Lidocain, Benzocain und Procain gefunden.
Die im Weiteren aufgeführten Substanzen wurden in beiden Drogen gefunden:
Seltene Verschnittstoffe
Stimulantien: MDMA, MDA, MDE, Methamphetamin, Taurin. Ethylamphetamin, Pholedrin Antihistaminika: Diphenhydramin, Hydroxyzin Antidepressiva: Amitriptylin
Analgetika: Diacetylmorphin (Heroin), Ketamin, Ibuprofen
Seltene Streckmittel mit pharmakologischer Wirkung
Chloramphenicol (Antibiotikum), Diltiazem (Vasodilator), Chinin (Malariamittel), Diclofenac (Antirheu-matika ), Articain (Lokalanästhetikum)
Häufige Streckmittel
Kohlenhydrate: Glucose, Fructose (Fruchtzucker), Laktose (Milchzucker), Mannit, Galaetos, lnosit, Mehl. Cellulose
Salze und Mineralien: MgSO4 (Bittersalz). NaHCO3 (Bullrich Salz, Basica), Kochsalz. NaS04 (Gips), Kaolin (Ton), Talkum
Organische Säuren: Acetylsalicylsäure (ASS). As¬corbinsäure (Vitamin C). Zitronensäure, Apfelsäure. Terephthalsäure
Sonstige: Borsäure, Polystyrol (Styropor), Kreatin, Kreatinin
Diese Vielfalt an Wirk- und Hilfsstoffen weist darauf hin, dass häufig zerkleinerte Tabletten zum Strecken verwendet werden.
Auch bei den chemischen Drogen tauchen regelmäßig Rückstände aus der Herstellung auf. Dabei handelt es sich um Ausgangsstoffe für die Synthese, Nebenprodukte und Lösungsmittelrückstände. Gerade bei unsauberer Syntheseführung und ungenügender Aufreinigung, was in Untergrundlaboren wahrscheinlich ist, gelangen sie besonders häufig ins Endprodukt.
Pilze
Solange es sich nicht uni Pulver oder verarbeitete Produkte wie Pilz-Schokolade handelt, sind die Möglichkeiten des Streckens stark eingeschränkt.
Einige Leute mischen allerdings auch hier andere Pilze unter, die ähnlich wie Psilos aussehen und verlassen sich auf die Naivität des Käufers. Meist handelt es sich um wildgesammelte und unidentifizierte Arten. Die Gefahr, hierbei einen richtigen Giftpilz zu erwischen, ist natürlich hoch. Da es dazu leider keine offiziellen Zahlen gibt und die Palette der Risiken zu groß ist, sei hier nur eine Warnung an alle Pilz-Freunde ausgesprochen, nur bei vertrauenswürdigen Händlern einzukaufen.
Es zeigt sich wieder einmal, dass die eigentlichen Probleme der Drogenszene – in diesem Fall mangelnde Qualitätskontrollen – erst durch die Verbote geschaffen werden. Wäre ein legaler, staatlich kontrollierter Handel möglich, könnten sich die Konsumenten sicher sein, dass sie ihre Gesundheit nicht mehr als durch den Konsum gefährden.
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